Vom »Ist« zum falschen Zustand | Ein Vortrag von Franz Heilgendorff

22. September 2026
19:00 - 21:00
disputhek
Leipziger Straße 84, Dresden, 01127
Zum Kalender hinzufügen: iCal Download

Heidegger sagt: „Der Begriff des Seins ist ganz und gar nicht einfach und ebensowenig selbstverständlich. Der Sinn von Sein ist der verwickeltste, und der Grund des Seins ist dunkel. Es bedarf der Entwirrung der Verwirrungen und der Aufklärung des Dunkels.“ (Werke, 24, S. 318) Der arme Heidegger. Überlassen wir ihn sich selbst in seiner Dunkelheit und rücken im Vortrag an seine Stelle eine philosophiegeschichtliche Rekonstruktion des prädikativen Urteils, mit dem wir ständig sagen, was etwas ist: S(ubjekt) ist P(rädikat).

Schon bei Aristoteles bündeln sich im kleinen Wort „ist“ verschiedene Bedeutungen und Beziehungen des Seienden. Eine davon gewinnt den obersten Rang: die Bestimmung des Wesens, des »Was-es-ist«. Damit wird das Problem der Ontologie zu einem Problem der Logik – nicht bloß der formalen Logik, sondern der Logik als Theorie des Denkens des Seienden. Diese Spannung zwischen Denken und Sein kehrt in der Neuzeit als Gegensatz von Subjekt und Objekt wieder.

Bei Kant finden beide ihre Einheit im Urteil, im »Ich denke«. Hegel radikalisiert diesen Gedanken und löst die Ontologie in Logik auf. Heidegger geht in diesem Zusammenhang ein Licht auf: „Das Problem kommt solange nicht von der Stelle, als die Logik selbst nicht wieder in die Ontologie zurückgenommen wird, d. h. solange nicht Hegel, der umgekehrt die Ontologie in Logik auflöste, begriffen ist, und das besagt immer, durch die Radikalisierung der Fragestellung überwunden und zugleich angeeignet wird.“ (Ebd., S. 254) Nur übersieht er, was der Vortrag zeigt: dass es Marx gelang, die Logik in die Ontologie zurückzunehmen – in eine Ontologie des falschen Zustands. Denn die, so Adorno, durch den Tausch konstituierte kapitalistische Wirklichkeit ist selbst ein Stück Begriffliches. Das Dunkel liegt also weniger im Sein als in der Gesellschaft. Und auf die Seinsfrage hat die Geschichte längst sehr konkrete Antworten gegeben. Die instrumentelle Vernunft ist eine davon, der Verein freier Menschen wäre eine andere.

Der Vortrag findet statt im Rahmen des philosophischen Kolloquiums »Alle Tage«, welches sich dem Verhältnis von Ontologie und Dialektik widmet und vom 20. bis 25. September 2026 in Dresden stattfindet. Weitere Informationen sind der Webseite des Kolloquiums zu entnehmen: http://alletage.de/

Organisiert durch:

disput e.V.
terminal.digital