Simon Duckheim: Heilung und Herrschaft. Zu einer Kritischen Theorie der Medizin

4. November 2026
19:00
TU Dresden (genauer Ort in VA-Beschreibung)
Technische Universität Dresden, Dresden, 01062
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Angesichts der historisch nachgewiesenen Affinität der deutschen Ärzteschaft zum Nationalsozialismus sowie der Bedeutung der Medizin für die NS-Vernichtungspraxis möchte der Vortrag die Grundzüge einer historisch fundierten Kritischen Theorie der Medizin entfalten. Ausgehend von der stetigen medizinischen Verwissenschaftlichung und Professionalisierung der Medizin seit Mitte des 19. Jahrhunderts, wird reflektiert, inwiefern es in Deutschland zur Entwicklung einer spezifischen medizinisch-instrumentellen Vernunft kam. Dabei wird auf Motive der (älteren) Kritischen Theorie der sogenannten Frankfurter Schule Bezug genommen, insbesondere auf die „Dialektik der Aufklärung“ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer und die dort entfaltete Kritik des Prinzips der Naturbeherrschung, das zugleich eine Unterwerfung der Menschen unter die „Autorität der Natur“ impliziert. Als eine wesentliche Gestalt dieses Prinzips wird der Sozialdarwinismus thematisiert, verbunden mit der Frage, warum und inwiefern dieser in der Medizin eine besondere Ausprägung erfahren hat. Schließlich soll erörtert werden, inwiefern die Perspektive der Kritischen Theorie (gerade angesichts der multiplen Krisenphänomene) auch für aktuelle medizinethische Debatten – etwa die um die Sterbehilfe oder die in der Pandemie aufgekommene um die „Triage“ – von Bedeutung sein kann.

Dr. Simon Duckheim ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Gießen und Autor des Buches „Auf der Suche nach der versprengten Spur. Glück und Hoffnung bei Adorno und Benjamin“.

Teil der Veranstaltungsreihe BRUCH

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