Das Gerücht über die Anderen #2026 Ökonomische Mythen und Abwertende Narrative im Kapitalismus

von 3. September 2026 - 16:00 Uhr
bis 4. September 2026 - 15:30 Uhr
Zentralkino
Kraftwerk Mitte 16, Dresden, 01067
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Herbstschule mit Film & Gespräch, Werkstattbericht, Vortrag und Gedenkstättenbesuch zu Antisemitismus, Ableismus und Rassismus gegen Sinti* und Roma* 

In der Gegenwart werden Menschen ihres Menschseins beraubt: Arbeitsrechte, Aufenthaltsrechte, Daseinsfürsorge, Gesundheitsversorgung und Unschuldsvermutung werden geschliffen. Nicht das Sein, sondern die Arbeitsfähigkeit bestimmt die Berechtigung – „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Wir diskutieren Traditionslinien von Antisemitismus, Ableismus, Sozialchauvinismus und Antiziganismus. Sozialkürzungen treffen systematisch die Schwächsten und verschärfen Diskriminierung. Die zentrale Frage lautet: Wer gilt als „würdig“ und wer nicht? Die Herbstschule bietet Raum für kritische Analyse, Reflexion und Austausch, um regressiven und populistischen Vereinfachungen entgegenzuwirken und Organisierung zu ermöglichen.

TAG 1 Donnerstag: 03.09.26, 16 Uhr – 21 Uhr, Zentralkino · Kraftwerk Mitte 16 · 01067 Dresden

16 Uhr: Begrüßung

Panel 1 16:15 – 18:30 Uhr: Weder bekannt, noch anerkannt
Biografische Recherchen, Film und Gespräch mit der Filmemacherin, Fotografin und Journalistin Allegra Schneider (Bremen) und Leonardo Bajrić (angefragt) 

Das erste Panel erinnert der Verfolgung und Vernichtung der Roma* und Sinti* im Nationalsozialismus und verbindet die historische Verfolgung mit den Forderungen nach Bleiberecht und der Kritik an Abschiebungen der Roma* in Europa heute. Das Panel debattiert anhand der Filme „Nur die Wände“ (2026) und „Heimweh“ (2025) die Situation von Roma*, deren Familienangehörige in Konzentrationslagern verfolgt und ermordet wurden bzw. Zwangsarbeit leisten mussten und heute von Abschiebung bedroht sind – denen Asyl in Deutschland verwehrt ist.

18:30 Uhr: Pause und Snack

Panel 2 19:00 – 19:30 Uhr: Die ehemalige Städtische Arbeitsanstalt Leipzig als aktiver Erinnerungsort“ und die Werkstattaustellung „Ausgrenzung, Arbeitszwang und Abweichung“ 
Werkstattbericht von der Initiative Riebeckstraße 63

Das Areal der 1892 gegründeten „Zwangsarbeitsanstalt zu St. Georg“ und ihrer Folgeeinrichtungen in der Leipziger Riebeckstraße 63 ist ein bundesweit einzigartiger Ort mit transnationaler Geschichte. Er steht exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen staatlicher Fürsorge und gewaltvoller Ausgrenzung. Über die unterschiedlichen politischen Systeme seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hinweg, verschränkten sich an diesem Ort Sanktionierung abweichenden Verhaltens, Ausgrenzung und willkürliche Gewalt. Diese komplexe Geschichte, deren Leidtragende fast immer marginalisierte Menschen waren, kann anhand der Riebeckstraße 63 erzählt und vermittelt werden. Der Werkstattbericht beleuchtet die Geschichte des Ortes mittels ausgewählter Biografien und stellt die Arbeit der Initiative Riebeckstraße 63 vor.

Panel 3 19:30 – 21 Uhr: „Krise, Kapital und Klischees – Antisemitische Bilder in Kapitalismuskritik und Popkultur“ Vortrag von Martin Seng (Politik- und Literaturwissenschaftler, freier Journalist und Bildungsreferent)

Angesichts von globalen Konflikten, sozialer Ungleichheit und Klimakrise wächst das Bedürfnis nach Erklärungen für die Krisen des Kapitalismus. Dabei werden strukturelle Probleme häufig auf vermeintlich mächtige Einzelpersonen oder Gruppen projiziert. Antisemitische Stereotype spielen hierbei bis heute eine zentrale Rolle. Der Vortrag von Martin F. Seng beleuchtet, wie solche Bilder in Film und Popkultur tradiert werden, und analysiert ihre Wirkung anhand ausgewählter Beispiele mit anschließender Diskussion.

Moderation durch den Tag: Madeleine Weis

TAG 2 Freitag, 04.09.26, 9 Uhr – 15:30 Uhr,  Exkursion und Rundgang durch die Gedenkstätte Großschweidnitz mit Christoph Hanzig 

Die Gedenkstätte Großschweidnitz erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde in der Landesanstalt Großschweidnitz. Über 5.500 Frauen, Männer und Kinder wurden dort durch überdosierte Beruhigungsmittel, Unterernährung und mangelnde Pflege ermordet. Mehr als 2.000 Menschen wurden von Großschweidnitz in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein verlegt und dort getötet. Seit 2012 engagierte sich der Verein Gedenkstätte Großschweidnitz e. V. mit Unterstützung der Gemeinde für einen würdigen Erinnerungsort. Am 13. Mai 2023 wurde die Gedenkstätte als Arbeitsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten eingeweiht. Die Dauerausstellung befindet sich im ehemaligen Pathologiegebäude. Auf dem Anstaltsfriedhof erinnern ein Gedenkstein und Namenstafeln an die zwischen 1939 und 1945 bestatteten Opfer.

Exkursion mit Reisebus von Dresden-Neustadt zur Gedenkstätte Großschweidnitz, inklusive Mittagessen

 

Wichtige Hinweise:
– Die Anzahl der Teilnehmenden ist begrenzt!

– Anmeldefrist bis 31.08.2026!

– Das Zentralkino, der Reisebus sowie die Gedenkstätte sind barrierearm.
– Separate Buchung der Tage ist möglich!
– Eintritt ist frei, gerne kann gespendet werden!
Anmeldung: https://forms.gle/T1Y6o6nB1th6B5Go9

 

Eine Veranstaltung in Kooperation von: 

HATiKVA – Bildungs- und Begegnungsstätte für Jüdische Geschichte und Kultur e.V. im Rahmen des Innovationsprojekts: Ökonomische Mythen und Projektion – Präventive Bildungsarbeit gegen wirtschaftlich begründeten Antisemitismus und dem Fachnetzwerk Antiziganismus/Antiromaismus bei Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V., sowie der Gedenkstätte Großschweidnitz/Stiftung Sächsische Gedenkstätten

Mit Unterstützung: der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG) und dem Bündnis gegen Antisemitismus in Dresden und Ostsachsen (BgA)

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